Podiumsdiskussion an der Goethe-Universität Frankfurt
Welche Auswirkungen hat der Brexit auf den Frankfurter Wohnungsmarkt?

Die Entscheidung der britischen Wähler für den Austritt aus der Europäischen Union überraschte ganz Europa. Die Verhandlungen über die Ausgestaltung des Austritts laufen noch und die Folgen sind noch nicht absehbar. Eine wahrscheinliche Folge des Brexits ist jedoch eine weitere Aufwertung der Bedeutung des Finanzplatzes Frankfurts und ganz oder teilweise eine An- beziehungsweise Umsiedlung von Finanzinstituten von London nach Frankfurt. Dies würde vermutlich einhergehen mit der Verlagerung von hochbezahlten Arbeitsplätzen.

Auswirkungen Brexit

Im Rahmen einer Ringvorlesung im Sommersemester 2018 erörterte das Institut für Humangeographie der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt verschiedene Facetten des Brexits. Zum Abschluss wurde eine Podiumsdiskussion veranstaltet, in der die Auswirkungen des Brexits auf Frankfurt – speziell auf den Wohnungsmarkt in Frankfurt – beleuchtet wurden. Es diskutieren Prof. Dr. Susanne Heeg vom Institut für Humangeographie der Goethe-Universität, Dr. Marcus Gwechenberger, Referent des Planungsdezernenten der Stadt Frankfurt, Conny Petzold vom Verein Mieter helfen Mietern sowie Dr. Axel Tausendpfund, Vorstand des VdW südwest. Moderiert wurde die Diskussion von Dr. Iris Dzudzek, ebenfalls vom Institut für Humangeographie.

Bei der Frage nach den Auswirkungen des Brexits auf den Wohnungsmarkt in Frankfurt war sich die Runde schnell einig, dass die Ansiedlung von weiteren hochbezahlten Arbeitskräften – deren genaue Zahl momentan nur schwer eingeschätzt werden kann – die bereits seit längerer Zeit existierenden Probleme auf dem Frankfurter Wohnungsmarkt verschärfen könnte. Die grundsätzlichen Probleme existieren jedoch auch ohne den Brexit. Tausendpfund merkte an, dass in Frankfurt dringend neue Wohnungen gebraucht werden, nach einer letzten Schätzung der Stadt rund 110.000 neue Wohnungen bis zum Jahr 2040. Hierbei müssten vor allem bezahlbare Wohnungen gebaut werden. Der potenzielle Zuzug solventer Mieter im Rahmen des Brexits könnte den Kampf um die Grundstücke in der Stadt verstärken, es müsse darauf geachtet werden, dass ausreichende Flächen für die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum vorhanden sind. Dies ist momentan schon nicht der Fall.

So einig sich die Runde bei der Frage nach den Problemen des Frankfurter Wohnungsmarktes war, so unterschiedlich die Meinungen über den Fokus der Politik und die adäquaten Steuerungsmöglichkeiten zur Behebung der Krise. Während Heeg und Petzold den Schwerpunkt bei der Schaffung von Sozialwohnungen und der Eindämmung jeglicher Form von profitorientierten Wohnungsunternehmen legten, waren Gwechenberger und Tausendpfund überzeugt, dass alleinig die Schaffung von mehr Wohnungen für alle Einkommensgruppen im Innen- und Außenbereich einen Weg zur Lösung der Situation darstelle. Tausendpfund merkte an, dass bei der Konzentration auf Sozialwohnungen gerade diejenigen leiden, die leicht über einer Fördergrenze liegen, sich auf dem freien Wohnungsmarkt versorgen und womöglich einen Großteil des verfügbaren Einkommens für die Miete ausgeben müssen. Als weitere große Schritte zur Schaffung bezahlbaren Wohnraums nannte er die Reduzierung der Baukosten, die in den letzten 15 Jahren explodiert seien, sowie die Verkürzung von Planungszeiträumen.

Foto: Dr. Axel Tausendpfund, Vorstand VdW südwest, diskutiert mit Prof. Dr. Susanne Heeg, Dr. Marcus Gwechenberger, Conny Petzold und Dr. Iris Dzudzek (v. l.); © VdW südwest

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Matthias Berger


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