Fachausschuss für Planung und Technik on Tour
Fachexkursion nach Kopenhagen

Die dänische Hauptstadt Kopenhagen war das Ziel der diesjährigen Fachexkursion, die der Fachausschuss für Planung und Technik des VdW südwest unternahm. In der Zeit vom 22. bis zum 24. August 2018 erkundete die 13-köpfige Expertengruppe die städtebauliche Entwicklung der dänischen Metropole im Hinblick auf den Wohnungsbau.

KopenhagenArchitektur und Stadtplanung gelten in Kopenhagen als vorbildlich, diese Tatsache ist auch den Mitgliedern des Fachausschusses für Planung und Technik nicht verborgen geblieben und so machte man sich vom Frankfurter Flughafen auf den Weg in die dänische Hauptstadt. Gleich nach der Ankunft begab man sich in die Hände des Reiseleiters, ein Stadtplaner und Kopenhagenspezialist aus Kiel, der die Teilnehmer von der ersten Minute an mit spannenden Informationen zu dieser lebendigen Stadt versorgte.
 
Bild: Stadtentwicklung vom Wasser aus gesehen, vom Nyhavn zum Sydhavn
Angekommen im Hotel, einem ehemaligen Seemannsheim am Nyhavn, ging es für die Gruppe mit dem Schiff direkt weiter Richtung Sydhavn. Vom Wasser aus betrachtet konnte man erste Eindrücke zur Stadtentwicklung Kopenhagens gewinnen. Auf den ehemaligen Industrieflächen nördlich und südlich des Stadtzentrums schließen sich nach und nach die Baufelder, denn auch Kopenhagen ist von der aktuellen Wohnungsnot nicht verschont geblieben.

KopenhagenDie Wohngebiete, die auf den ehemaligen Industriebrachen entstehen, sind eine Kombination aus privatem und gemeinnützigem Wohnungsbau. Um den kontinuierlich steigenden Bedarf an neuem Wohnraum schneller zu stillen, werden die meisten Wohngebäude in serieller oder modularer Bauweise errichtet. Die entstehenden Flächen werden von neu angelegten Kanälen durchzogen, um somit den Bewohnern auch weiterhin einen direkten Zugang zum Wasser zu ermöglichen.

Bild: Kopenhagen Nyhavn
KopenhagenNach der kurzen, aber eindrucksvollen Besichtigung, des Sydhavn-Areals, machte sich die Gruppe auf zum Verwaltungssitz der Wohnungsgenossenschaft AAB, um dort die traditionelle Fachausschusssitzung abzuhalten. Durch die gute Vernetzung des Reiseleiters zu den dänischen Wohnungsunternehmen wurde die Reisegruppe vom Direktor der AAB dazu eingeladen, die Räumlichkeiten für die Sitzung zu nutzen. Direktor Christian Høgsbro gab zu Beginn eine kleine Einführung in das Unternehmen. Die soziale Wohnungsbaugesellschaft verwaltet über 19.000 Wohnungen in der Metropolregion.

Im Anschluss an die Fachausschusssitzung nutzte man das sonnige Wetter, um das in der Nähe gelegene Studentenwohnheim „Tietgenkollegiet“ zu besichtigen. Das Gebäude steht mit seiner zylindrischen Form in direkter Nachbarschaft zur Universität und ist nicht nur architektonisch ein Highlight. Das zentrale Prinzip ist „Fælleskab“ – zu Deutsch: Gemeinschaft. Diese findet sich sinnbildlich im kreisförmigen Grundriss wieder. Im Inneren liegen die kommunikativen Räume, nach außen hin ist aber auch die nötige Privatsphäre gegeben.
 
Bild: Studentenwohnheim „Tietgenkollegiet“
Impressionen der Hafenrundfahrt
 

Kopenhagen

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KopenhagenDa Kopenhagen als die Fahrradstadt schlechthin gilt, erkundeten die Teilnehmer am nächsten Tag die Altstadt und Teile des Hafens mit dem Fahrrad. Kopenhagen ist gerade dabei, sein nördlich gelegenes Hafengebiet „Nordhavn“ zum nachhaltigen Stadtviertel der Zukunft zu transformieren, als Teil des Ziels CO2-neutrale Stadt 2050. Dieses Ziel spiegelt sich im Städtebau und der Architektur Kopenhagens deutlich wider.

Bild: Eine Fahrradtour führte die Gruppe zum Kastell von Kopenhagen, einem Überbleibsel der alten Stadtbefestigung
Die Metropole ist Vorreiter in Sachen Quartierserneuerung. Auf innerstädtischen Brachflächen entstehen neue Quartiere, ehemalige Industriebauten werden zu Wohngebäuden umgenutzt und durch innovative Umgestaltung der Außenräume soll eine Verbesserung der Wohnverhältnisse entstehen.

Mit dem staatlichen Förderprogramm „Projekt Kopenhagen X“ soll der gesamte Hafen rund um das Industrieareal Havnstad wiederbelebt und neu gestaltet werden. Unterstützt werden dabei Stadtplanungsprojekte, aber auch ambitionierte Wohnprojekte, wie zum Beispiel der Umbau zweier ehemaliger Getreidesilos, die zu einem Appartementgebäude umgebaut wurden. Die Wohnungen ordnen sich ringförmig an den Außenwänden der ehemaligen Saatgutspeicher an.

Am Nachmittag wurde die Reisegruppe von Høgsbro eingeladen, um sich am Stadtrand von Kopenhagen, in Ishøj, deren Großsiedlung Vejleåparken anzuschauen. Die Wohnblöcke aus den 1970er-Jahren waren in ihrer Substanz heruntergekommen und wirkten trostlos. Folglich wurde das in Dänemark bis dahin größte Sanierungsprojekt für ein Wohngebiet initiiert. Eintönige Betongebäude wurden in attraktive und dynamische Wohnräume verwandelt. Sehr zur Freude der Teilnehmer bekam die Gruppe die Möglichkeit, die Umbaumaßnahmen in einer aktuell leerstehenden Wohnung genauer zu betrachten.

Von Ishøj ging es mit der Bahn weiter Richtung Carlsbergstadt. Dort wurden die Teilnehmer eingeladen, eine Wohnung im Carlsberg-Turm, einem ehemaligen Malz- und Gerstensilo, zu erkunden. Nach der Standortaufgabe der Brauerei Carlsberg im Kopenhagener Stadtteil Valby wurde das gesamte Areal umgestaltet. Im Zuge dieser städtebaulichen Umbaumaßnahme wurde auch das ehemalige Silo zu einem Wohngebäude umgenutzt und bietet in den oberen Etagen nicht nur einen fantastischen Blick über die ganze Stadt, sondern auch eine Aussicht bis an die schwedische Küste.
Kopenhagen

Bild: Silo mit Lofts: „Gemini Residence“; © André Zaman
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Bild: 8 House in Ørestad, Dänemarks größtes Wohngebäude

Bild: 2008 wurde die Boligslangen, die "Wohnschlange" in Ørestad eröffnet
Kopenhagen
Am letzten Tag der Studienreise nutzten die Teilnehmer die Zeit vor dem Rückflug, in Ørestad, zwischen dem Flughafen und der Innenstadt, Dänemarks bislang größtes Wohnprojekt - das „8 House“ von BIG Architekten | Bjarke Ingels Group – zu besichtigen. Das Wohngebäude ist mit seinen 476 Einheiten fast ein eigener Stadtteil. In dem hybriden Multigenerationenhaus, dessen Grundriss wie eine abstrakte Acht aussieht, entstanden Wohntypen mit Flächen von 65 bis 144 Quadratmetern.

Dazu gehören zweigeschossige Reihenhäuser, Wohnungen unterschiedlicher Größe und Penthäuser – sowohl zur Miete als auch als Eigentumswohnungen. Neben 476 Wohnungen beinhaltet der Gebäudekomplex auch Geschäfte, einen Kindergarten, ein Café und Restaurant sowie zwei Parkanlagen zur Erholung. Wer Joggen möchte, muss nicht einmal das Gebäude verlassen und mit dem Fahrrad lässt sich jede Wohnung erreichen.

Als Fazit der Studienreise lässt sich sagen, dass Kopenhagen durch die vielen Baustellen auf dem ersten Blick vielleicht etwas unruhig wirken mag, aber als Besucher erkennt man ganz schnell die Vielfältigkeit dieser wunderschönen skandinavischen Stadt mit all ihren Denkmälern, den vielen Fahrrädern, den hohen Preisen, der dänischen Freundlichkeit und dem Sinn für funktional-ästhetische Lösungen in der Stadtentwicklung, die einen in ihren Bann zieht und in der man jederzeit merkt, dass Kopenhagen eines, wenn vielleicht nicht die Wichtigste aller städtischen Aufgaben erfüllt, lebensfreundlich zu sein.

Fotos: © Laura-Sophie Knapp

Knapp, Laura-SophieIhre Ansprechpartnerin
Laura-Sophie Knapp

Planung, Technik, Energie, Klimaschutz
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