„WohWi-Talk“ in Wetzlar
Mittelhessen braucht mehr bezahlbaren Wohnraum

WohWi-Talk Wetzlar

Anlässlich der bevorstehenden hessischen Landtagswahlen fand am 8. Mai 2018 in Wetzlar der erste „WohWi-Talk“ des VdW südwest statt. Vertreter mittelhessischer Wohnungsunternehmen, Landes- und Kommunalpolitiker und Dr. Axel Tausendpfund, Vorstand des VdW südwest, diskutierten die künftigen Forderungen an die neue Landesregierung.

Dr. Tausendpfund begrüßte in den Geschäftsräumen der WWG Wetzlarer Wohnungsgesellschaft mbH die geladenen Gäste, unter denen die Staatssekretärin des hessischen Umweltministeriums, Dr. Beatrix Tappesser, sowie weitere Landtagsabgeordnete wie Tobias Eckert (SPD), Jürgen Lenders (FDP) sowie Hermann Schaus (Die Linke) und der Bürgermeister der Stadt Wetzlar, Harald Semler, waren. Tausendpfund spannte den Bogen für die anschließende Diskussion, in dem er die besondere Bedeutung des Thema Wohnens für den bevorstehenden Landtagswahlkampf herausstellte. „Das Thema Wohnen bewegt und sollte zur Chefsache gemacht werden.“ Zugleich ging er damit auf die Forderungen des VdW südwest gegenüber der künftigen Landesregierung ein. Exemplarisch müsse mehr Bauland geschaffen, die Baukosten reduziert und die Wohnraumförderung verbessert werden.

WohWi-Talk WetzlarIm Anschluss folgte eine Begrüßung durch den Gastgeber des Hauses, WWG-Geschäftsführer Harald Seipp, welcher auf die Besonderheiten des Wetzlarer Wohnungsmarktes zu sprechen kam. Seine zentrale Forderung war dabei: „Wir brauchen in unserer Stadt mehr bezahlbaren Wohnraum, auch für größere Familien.“ Zur Lösung des Problems sei die Politik gefordert attraktivere Förderkonditionen zu schaffen. „Wir sind Anhänger der Förderprogramme, wenn sie passen.“

Sodann stiegen die Anwesenden unter der Moderation von Detlef Hans Franke in die Diskussion ein. Dabei ging es zunächst um eine Bestandsaufnahme, was in der bisherigen Legislaturperiode erreicht wurde. Dr. Tappeser führte zu den Erfolgen der Landesregierung aus, dass in der aktuellen Legislaturperiode 1,7 Milliarden Euro in die Wohnraumförderung investiert und davon 20.000 Wohnungen für ca. 60.000 Menschen geschaffen worden seien. Außerdem habe die Landesregierung eine „Allianz für Wohnen“ initiiert, welche die Konzeptvergabe und die Baulandoffensive vorangetrieben habe.

WohWi-Talk WetzlarDie Landtagsabgeordneten kritisierten diese Darstellung der Erfolge anschließend scharf. Eckert stellte beispielhaft fest, dass eine Diskrepanz zwischen Anspruch und Wirklichkeit bestünde, seien doch dramatisch weniger Wohnungen als noch vor einigen Jahren gebaut worden. Auch Dr. Tausendpfund kam zu dem Ergebnis, dass die Mitgliedsunternehmen mit der bisherigen Leistung der Landesregierung nicht zufrieden seien. Entscheidend sei, was am Ende herauskomme und hierbei wäre die Bilanz eher dürftig. Die Konzeptvergabe sei zwar ein Schritt in die richtige Richtung, es bedarf jedoch noch weiterer Anstrengungen. Insbesondere solle über eine Senkung der Baukosten im Rahmen der Reform der Hessischen Bauordnung nachgedacht werden und ferner eine vermehrte zuschuss- anstelle einer darlehensbasierten Förderung umgesetzt werden.

Zwischenzeitlich hatten die weiteren anwesenden Gäste, vor allem weitere Mitgliedsunternehmen aus der Region Mittelhessen, die Gelegenheit, die Diskussion mitzugestalten. So wurde kritisiert, dass sich das Bauen aufgrund der hohen Baukosten im ländlichen Raum nicht lohne, da anschließend nicht die entsprechend erforderlichen Mieten am Markt erzielt werden könnten. Lenders griff diese Problemlage auf und betonte, dass es eine vordingliche Aufgabe der Politik sei, dieses Investitionsdelta zwischen Baukosten und anschließenden Mieteinnahmen durch geeignete Förderkonditionen zu schließen. Schaus plädierte darüber hinaus für eine stärkere und gezielte Förderung der kommunalen und genossenschaftlichen Wohnungsunternehmen.

WohWi-Talk WetzlarIn der weiteren regen und stellenweise hitzigen Diskussion kreisten die Beiträge darum, wo darüber hinaus künftiger Handlungsbedarf seitens der Politik bestünde. Bezogen auf die Region Mittelhessen waren dies unter anderem der Ausbau der interkommunalen Zusammenarbeit sowie eine Verbesserung der Wohnraumförderung speziell für diese Region. So stellte Semler auch mit Zustimmung vieler Anwesender fest, dass die Wohnraumförderung nuancierter betrachtet werden und das Umland besseren Eingang, neben einer einseitigen Förderung der Ballungsgebiete, finden sollte. Als abschließende Formel für die gesamte Diskussion, welche auf Konsens aller Beteiligten stieß, könnte festgehalten werden: „Wohnung ist nicht gleich Wohnung und dennoch sind die Baukosten überall in Hessen gleich.“

Foto rechts: Dr. Axel Tausendpfund, Dr. Beatrix Tappeser, Jürgen Lenders (vorne), Hermann Schaus, Harald Semler und Tobias Eckert (hinten). © Udo Koranzki

Hinweis
Der VdW südwest veranstaltet weitere „WohWi-Talks“ für die Regionen Nordhessen und Südhessen:
  • 29. August 2018, 17:00 Uhr in Frankfurt
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